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Aufarbeitung und Rückschau auf ein prägendes Jahrhundert

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Das Bauunternehmen Moll, gegründet 1894, hat durch technische Innovationen Baugeschichte geschrieben und sich mit prominenten Gebäuden im Münchner Stadtbild verewigt. Leonhard Moll setzte früh auf moderne Baumaschinen und begann Ende der 1920er mit der Produktion von Bahnbetonschwellen, das Unternehmen industriell zu diversifizieren. Die Rolle von Moll während der NS-Zeit ist Gegenstand einer umfassenden wissenschaftlichen Aufarbeitung.

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1894
bis 1915
1894
bis 1915
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1894
bis 1915

Leonhard Moll war ein echter Entrepreneur mit Mut und Ideen. Am 01.10.1894 gründet er im Alter von 24 Jahren das Baugeschäft Leonhard Moll und entwickelt Innovationen für die Mechanisierung schwerer Arbeitsprozesse. Seine Lastenaufzüge verschaffen der jungen Firma Kostenvorteile, die zu schnellem Wachstum führt. Im öffentlichen Auftrag entstehen prominente Bauten, u.a. das Hauptgebäude mit dem Lichthof der Ludwig-Maximilians-Universität München, das Schwabinger Krankenhaus und die Großmarkthallen.

1894
bis 1915

Auch im Tiefbau setzt Moll auf den Einsatz modernster Maschinen, die auf seine Ideen hin konstruiert werden. Bald wird die Firma auch über die Grenzen Bayerns hinaus beauftragt, u.a. mit der Ausführung wichtiger Bauabschnitte für die Kanalisierung des Mains und beim Rhein-Herne-Kanal beauftragt.

1915
bis 1929
Moll Group 1915 bis 1929
1915
bis 1929

Mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges stagniert die Bautätigkeit vor allem wegen des kriegsbedingten Personalmangels. In den Zwanzigerjahren wuchs das Bauunternehmen Moll trotz der Weltwirtschaftskrise mit großen staatlichen und städtischen Aufträgen im Kraftwerks- und Wasserbau sowie im Straßenbau. So setzt das Unternehmen Anfang der Zwanzigerjahre für die 3,2 Millionen Kubikmeter Erdbewegungen des Inn-Seitenkanals bei Töging 44 Schmalspurlokomotiven und 566 Kipploren ein – alle im Eigentum des Unternehmens.

1915
bis 1929

In diesen Jahren kann das Unternehmen weitere prominente Hochbauten ausführen, u. a. die BMW-Produktionshallen und das Deutsche Museum. Mitte der Zwanzigerjahre zählt die Belegschaft bereits 3000 Mitarbeitende. Auch baunahe Geschäftsbereiche wie ein Sägewerk, ein Kieswerk und eine Ziegelei gehören mittlerweile zum Unternehmen. 1929 gründet Moll die LM Betonwerke und beginnt mit der Produktion von Bahnbetonschwellen sein industrielles Engagement.

1930
bis 1945
Moll Group 1930 bis 1945
1930
bis 1945

Wie stark sich das Unternehmen etabliert hat, zeigen auch die Projekte in den Dreißigerjahren, etwa die Isarbrücke in Tölz als erste Teerstraßendecke Deutschlands, die Ludwigsbrücke in München oder der Flughafen München-Riem. 1939 gründet Leonhard Moll eine betriebliche Unterstützungskasse für die Mitarbeitenden seines Unternehmens. Sie hilft in Notfällen und zahlt noch heute Betriebsrenten.

1930
bis 1945

Mit der Zeit des Nationalsozialismus begann auch für die Firma ein düsteres Kapitel. In der Obersten Baubehörde des Bayerischen Staatsministeriums wurde den Repräsentanten der Israelitischen Kultusgemeinde am 8. Juni 1938 als „Führerbefehl“ mitgeteilt, dass die Hauptsynagoge abgebrochen werden müsse. Auf Anordnung der Stadt München führte die Bauunternehmung Leonhard Moll den Abbruch aus.

1930
bis 1945

Trotz der kurz gesetzten Frist für den Abbruch samt Sprengarbeiten ermöglichte es die Bauunternehmung Leonhard Moll, dass die von der Israelitischen Kultusgemeinde an das Erzbischöfliche Ordinariat zum Einkaufspreis veräußerte neue Orgel ausgebaut werden konnte. Auf Bitten der jüdischen Gemeinde sicherte Moll die Kupferbüchse mit den Gründungsurkunden aus dem Grundstein. Sie befindet sich heute wieder im Besitz der Israelitischen Kultusgemeinde für München und Oberbayern. Noch 1931 hatte die Bauunternehmung Leonhard Moll beim Bau der „Synagoge der Ostjuden“ in der Reichenbachstraße die Zimmererarbeiten der Decke über dem Betsaal ausgeführt.

1930
bis 1945

Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg wurde die Bauwirtschaft in das kriegswirtschaftliche System der Organisation Todt – kurz OT – eingegliedert. Damit endete die freie unternehmerische Entscheidung. Wie allen deutschen Bauunternehmen wurden auch Leonhard Moll kriegswichtige Bauprojekte, Arbeitskräfte – zum Kriegsende Zwangsarbeiter –, Energie und Baustoffe zugeteilt.

1930
bis 1945

Zu diesen Bauprojekten zählten ab Mitte 1944 die halbunterirdischen Produktionsstätten für den ersten Düsenjäger Me 262 bei Kaufering nahe Landsberg, die von den Bauunternehmen Dyckerhoff & Widmann, Held & Francke, Philipp Holzmann, Leonhard Moll, Karl Stöhr sowie Wayss & Freitag durchgeführt wurden. Dieses Rüstungsprojekt der OT-Einsatzgruppe belastet in seinen Auswirkungen der Zwangsherrschaft die Geschichte der deutschen Bauindustrie bis in die heutige Zeit.

1930
bis 1945

Die Rolle des Bauunternehmens Moll während der NS-Herrschaft wird derzeit eingehend durch die unabhängige Gesellschaft für Unternehmensgeschichte e.V. in Frankfurt am Main wissenschaftlich aufgearbeitet. Die Ergebnisse der umfassenden Studie sollen Anfang 2027 vorliegen und dann auch an dieser Stelle zusammenfassend dargestellt werden.

1945
bis 1959
Moll Group 1945 bis 1959
1945
bis 1959

Wie alle anderen so genannten kriegswichtigen Unternehmen wird auch die Firma Leonhard Moll 1945 unter die Kontrolle der Militärregierung gestellt. Der Firmengründer, Kommerzienrat Leonhard Moll, stirbt im Oktober 1945. Seine drei Söhne Hermann, Leonhard und Heinz Moll können das Bauunternehmen zum Jahreswechsel 1948/49 wieder in Besitz nehmen. Dabei teilten sie die Geschäftsführung der unterschiedlichen Unternehmensbereiche (Hoch-, Tief- und Straßenbau, Betonwerk sowie Holzwerk) unter sich auf.

1945
bis 1959

Der Wiederaufbau der zerstörten Städte und Infrastruktur prägt die Nachkriegszeit. In der Ruinenstadt München mit bis zu 7,5 Millionen Kubikmetern Schutt beginnt das große „Rama dama” – die Räumung der Trümmer. Auf Schmalspurgleisen transportieren Moll’sche Bau-Loks mit Kipploren Schutt auf die Münchner Schuttberge. Zugleich fahren seit Oktober 1944 statt der zerstörten Trambahn Moll’sche Bau-Loks mit umgebauten Kipploren durch die Stadt. Die Münchner taufen sie „Bockerlbahn”. Eine Bau-Lok steht heute im Verkehrszentrum des Deutschen Museums. Am Deutschen Museum, an der Münchner Residenz und an der Ludwig-Maximilians-Universität führt das Unternehmen Instandsetzungsmaßnahmen durch.

1945
bis 1959

In der Zeit des beginnenden Wirtschaftswunders entstehen Bauten, die bis heute das Stadtbild Münchens prägen und inzwischen als architektonische „Klassikern” gelten: u.a. die neue Eingangshalle des Münchner Hauptbahnhofs, die so genannte Maxburg am Lenbachplatz, das Haus des Bayerischen Rundfunks und das Generalkonsulat der USA. Über die Grenzen der bayerischen Landeshauptstadt hinaus kann das Unternehmen große Tiefbauprojekte als Aufträge gewinnen – etwa die Inn-Staustufen, die Mosel-Kanalisierung oder den Bau großer Strecken der Bundesautobahnen.

1960
bis 1997
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1960
bis 1997

Ende der 60er Jahre übernehmen mit Dr. Hans, Gerhard und Franz Moll die Enkel des Gründers die Führung des Unternehmens. Moll ist nun an der Errichtung der Sportstätten für die olympischen Spiele in München und am Bau großer Abschnitte des S- und U-Bahn-Netzes beteiligt. Auch in Wien und unter der Alster in Hamburg baut Moll unter schwierigsten technischen Bedingungen am U-Bahn-Netz mit. Anfang der 70er Jahre knüpft die Firma Geschäftskontakte nach Saudi-Arabien. Moll errichtet dort mehrere große Zementwerke, fünf Gasturbinen-Kraftwerke und 50 Umspannstationen für die Stromversorgung.

1960
bis 1997

In München ist das Unternehmen an nahezu allen großen Bauprojekten der kommenden Jahre beteiligt – vom Hypo-Hochhaus bis zur Neuen Pinakothek, vom Großflughafen München Franz-Josef-Strauß bis zu den Werkstätten der Bayerischen Staatsoper und der Hochschule für Film- und Fernsehen. Ende der 80er Jahre werden die Bauniederlassungen der Leonhard Moll GmbH & Co. KG in München, Chemnitz und Frankfurt am Main durch Verselbständigung in eigenständige Bauunternehmen umstrukturiert. 1994 wird die Baugruppe in die Leonhard Moll AG eingebracht.

1960
bis 1997

Anlässlich des 100-jährigen Firmenjubiläums im Jahr 1994 werden an der Technischen Universität und an der Ludwig-Maximilians-Universität in München Leonhard-Moll-Stiftungen mit einem Stiftungsvermögen von einer Million DM errichtet. Sie vergeben jährlich vier Stipendien an osteuropäische und israelische Studierende, die während ihres Aufenthalts in München von Moll betreut werden.

1997 gibt die Leonhard Moll AG ihre Bauaktivitäten an die österreichische Bau Holding AG ab.

Eine neue Ära
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Eine neue Ära

Im neuen Jahrhundert baut die Moll Gruppe ihr industrielles Engagement erheblich aus. 1978 hatte sie bereits – als zweites industrielles Standbein neben der seit Ende der 1920er bestehenden Produktion von Bahnbetonschwellen – die Firma Keimfarben erworben, die seit 1878 natürliche und atmungsaktive Farben auf mineralischer Basis für Innen- und Außenbereiche herstellt. Aufgrund ihrer Langlebigkeit und Farbtongarantie werden die Keimfarben-Produkte weltweit geschätzt und für anspruchsvolle und prominente Bauwerke verwendet.

Eine neue Ära

2015 wird ein vergleichsweise junges Unternehmen in die Moll Gruppe eingegliedert: die TechnoPhysik Group. Sie produziert an vier Standorten in Deutschland, Slowenien und Österreich Mikrofaserplatten und -formteile bzw. Vermiculit-Produkte als naturbasierende sowie asbestfreie Lösungen für Wärmetechnik und Brandschutz in Haushaltsgeräten und für die Elektro- und Gaswärmeindustrie. Zukäufe und Werksgründungen erfolgen ab Mitte der Zehnerjahre auch im bestehenden Geschäftsbereich der Leonhard Moll Betonwerke, die mit insgesamt zehn neuen Standorten in fünf Ländern (Großbritannien, Polen, Tschechien, Slowakei, Kroatien) stark expandieren und ihre Marktführerschaft in der Betonschwellen-Produktion international ausbauen.

Eine neue Ära

Aus dem über die Jahre gewachsenen, umfassenden Know-how in allen Sparten des Hoch- und Tiefbaus sowie des Baunebengewerbes resultiert unsere heutige Kompetenz auch im Bereich Immobilien. Als Gründungsmitglied der größten städtischen Wohnungsbaugesellschaft Münchens im Jahr 1928 entwickeln, erhalten und verwalten wir heute unter dem Dach der Moll Immobilien eigenen und fremden Grundbesitz.

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Aufarbeitung der NS-Vergangenheit

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Anfang Juli 2023 wurden bei Arbeiten nahe dem Großhesseloher Wehr in der Isar Trümmer der früheren Hauptsynagoge Münchens gefunden. Der bedrückende Fund zeugte von der brutalen Ausgrenzung und Verfolgung jüdischen Lebens, zu der es in der NS-Zeit auch in unserer Stadt gekommen ist. Für die Leitung der Moll Group war es zugleich die erneute Erinnerung daran, dass unser Haus mit diesem dunklen Kapitel deutscher Geschichte auf traurige Weise verbunden ist – durch den im Jahr 1938 im Auftrag des NS-Regimes erfolgten Abriss der Synagoge. 

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Wie sind die Steine der Synagoge in den 1950er Jahren in die Isar gelangt? Was war die Rolle des Bauunternehmens Moll in der NS-Zeit? Die Leitung der Moll Group hat den Isar-Fund zum Anlass genommen, diese Fragen noch einmal neu zu stellen und die Firmengeschichte durch ein unabhängiges Forschungsinstitut umfassender aufarbeiten zu lassen. Die Ergebnisse werden für Anfang 2027 erwartet und sollen dann auch an dieser Stelle zusammenfassend dargestellt werden.

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Erinnerung, Verantwortung und Zukunft

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Nach dem Zweiten Weltkrieg haben sowohl die Nachfahren des Firmengründers persönlich als auch die Firma Moll Beiträge zur Entschädigung geleistet. In den folgenden Jahrzehnten wurde das Engagement fortgesetzt, etwa indem die Leonhard Moll AG im Jahr 2000 als eines der ersten deutschen Unternehmen der Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ beitrat und 2001 in den Fonds für die Opfer der Zwangsarbeit einzahlte.

2003 brachten sich Dr. Hans und Franz Moll mit einer Spende in den neu gegründeten „Verein zur Förderung des Neuen Jüdischen Gemeinde- und Kulturzentrums am St. Jakobsplatz in München“ ein. Auch die spätere Restaurierung der Synagoge in der Reichenbachstraße – im Sommer 2025 in einem Festakt feierlich eröffnet – ist von Familie Moll finanziell unterstützt worden.

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Förderung von Studierenden

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Im Jahr 1994 hat die Moll-Gruppe an der Ludwig-Maximilians-Universität und an der Technischen Universität in München zwei Förderstiftungen mit einem Stiftungsvermögen von insgesamt 1.000.000,- DM errichtet. Sie dient der Förderung von Studierenden aus Deutschland und aller Welt. Sie erhalten Ein-Jahres-Stipendien, um an der TUM Architektur mit Schwerpunkt Denkmalpflege oder anorganische Chemie zu studieren. An der LMU werden die Stipendien für Studierende in den Fächern Kunstgeschichte, Betriebswirtschaft und Jura vergeben.

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Unterstützung auch im Alltag

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Um den Studierenden für die Dauer ihres Stipendiums eine gute Unterkunft bereitzustellen, haben wir eine Vereinbarung mit dem Studentenwohnheim Willi Graf e. V. getroffen (Graf war Mitglied der „Weißen Rose“, einer studentischen Widerstandsbewegung gegen die Nazi-Herrschaft). Das Wohnen in Gemeinschaft fördert den Umgang und Gedankenaustausch mit deutschen und anderen ausländischen Studierenden und soll den Stipendiatinnen und Stipendiaten erleichtern, sich in der ungewohnten Umgebung einzuleben. Darüber hinaus verhelfen wir ihnen zu studienspezifischen Praktikumsstellen in Unternehmen der Moll-Gruppe, bei Münchner Architekten oder in der öffentlichen Denkmalpflege.

Die Erfüllung des Stiftungszwecks ist einem Stiftungsbeirat übertragen. Dieser setzt sich aus dem Rektor bzw. Präsidenten der jeweiligen Münchner Universität, einem ordentlichen Professor aus einer der oben genannten Fachrichtungen sowie einem Vertreter der Stifterfamilie Leonhard Moll zusammen. Der Stiftungsbeirat entscheidet über die Vergabe der Stipendien aus den Stiftungsvermögen.

Günther Weiß
Geschäftsführer Moll GmbH & Co KG
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